Kirche und Schule (1) - Wernges

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Kirche und Schule (1)

Geschichte

SEIT DER REFORMATION ENTWICKELN SICH KIRCHE UND SCHULE ZU
WICHTIGEN EINRICHTUNGEN IM DORF (1)
Seit den frühen Zeiten gingen die Werngeser nach Lauterbach zum Gottesdienst.
Dann ist in der Kirchenchronik zu lesen:
‚Kamen den 22. Januar 1677 Curt Rausch von Wernges neben Walther Ochs, Curt
Lörch und Johannes Haber in Meinung, mit Gottes und der hochgeehrten lieben
Obrigkeit Verhülflichkeit eine Kirche Gott zu Ehren und zur Förderung ihrer und der
Ihrigen Seligkeit zu bauen, hätten dazu 40 Gulden von dem abgebrannten gemeinen
Haus, die sie wollten verwenden.
Auf erhaltenen Consens (=Zustimmung) der Freiherren von Riedesel zu Eisenbach ist
also in Gottes Namen den 19. Februar der Anfang im Bauen gemacht worden.
Darin Gott so gnädiglich geholfen, dass der verfertigte Bau den 2. April gemeldeten
Jahres aufgeschlagen worden.’
Am 13. Oktober wurde diese erste Werngeser Kirche eingeweiht. Eine genaue
Beschreibung des ersten Gottesdienstes ist erhalten.
Die ‚gnädigen Herrschaften’ waren erschienen, die zum Bau 100 Gulden sowie
Abendmahlsgeräte und Teile der Einrichtung gegeben hatten. Auch fand eine
‚Copulation’, eine Vermählung, statt.
Das Bauen selbst wie auch den Rest der Baukosten besorgten die Werngeser. Im
Jahre 1677 war von der ‚hohen Obrigkeit’ eine ‚Vorschrift vor die Wernieser’
ausgestellt worden, in der die Einwohner für eine Kirchenbaukollekte empfohlen
wurden. Bald erschienen Walther Ochs und Curt Suppes wieder in Lauterbach und
begehrten nun, mit regelmäßigem Gottesdienst versorgt zu werden. Dieser erfolgte
dann auch. Im Sommer gab es am Sonntag, im Winter am Freitag eine Predigt, und
an den hohen Festtagen wurde das Abendmahl abgehalten. Der Pfarrer erhielt dafür
von jedem Mann zwei Maßen Korn und Hafer.
In der Chronik ist weiter zu lesen, dass die Erbauung einer eigenen Werngeser
Kirche den Hauptanstoß gab, aus den beiden Gemeinden Maar und Wernges eine
eigene Pfarrei zu gründen.
Wenig mehr als hundert Jahre hat die Fachwerkkirche bestanden, dann wurde
zwischen 1794 und 1796 das heutige Gotteshaus erbaut.




Die wahrscheinlich älteste Aufnahme der Werngeser Kirche

um 1890


Dieses Gebäude, ein kleiner Saalbau mit dreiseitigem Schluss, gehört zu den letzten
noch spätbarocken Kirchen, die für den östlichen Vogelsberg typisch sind und
zumeist von der Gießener Landbaumeisterfamilie Müller entworfen wurden.
Die vielen ähnlichen Gotteshäuser haben letztlich die 1740 erbaute Kirche zu
Grebenau zum Vorbild.
Die für den Werngeser Kirchenneubau Verantwortlichen sind vielleicht nach
Heidelbach gereist, haben sich die dortige, 1786, fertiggestellte Kirche angesehen
und beschlossen, dass sie es auch so machen wollten. In Maar hingegen wurde nur 20 Jahre nach Wernges beim Neubau der Kirche bereits der neue klassizistische Stil
angewandt.
Die Ausstattung der Werngeser Kirche ist sehr stark von der in Angersbach
beeinflusst. Den aufwendigsten Teil stellt die Kanzel dar. Sie stammt mit einiger
Sicherheit aus dem Vorgängerbau, ebenso wie ein Holzkruzifix, das sich heute im
Hohhaus-Museum in Lauterbach befindet. Auch die Bemalung der
Emporenbrüstungen ist beachtenswert. Ein unbekannter Maler hat fünfundzwanzig
Szenen aus dem Neuen Testament, von der Verkündigung bis Pfingsten, dargestellt.
Im Jahre 1858 erhielt die Kirche ihre Orgel.
Der ‚Thurn, welcher von Holz und mit dem Dache verbunden ist, eine welsche Haube
mit Schiefern gedeckt und 48 Fuß Höhe hat’, besticht durch seine späte und dadurch
reife Gestaltung. Er enthielt seit 1832 zwei Glocken, von denen eine 1917 ‚als
Kriegsgerät umgearbeitet’, 1919 ersetzt, aber im Zweiten Weltkrieg wieder
eingeschmolzen wurde. Seit 1949 haben wir wieder zwei Glocken.
Das Äußere des Baus zeigt über dem Haupteingang das in Sandstein gehauene
riedeselische Wappen und über dem ehemaligen Seiteneingang eine Tafel mit zwei
Engeln, die eine Krone halten, zwischen den Engeln die Inschrift ‚Bewahre deinen
Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst und komme, dass du hörest. Pred. 4.V.17.
1796’.
Seit dem Jubiläumsjahr 1983 heißt das Gotteshaus nach dem Reformator ‚Martin-
Luther-Kirche’.
Text aus "Wernges 1285 - 1985" übernommen

 
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